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Chapter ONERuven zitterte am ganzen Körper. Er war durchgefroren, konnte seine Gliedmaßen nur unter Schmerzen bewegen und bemühte sich deshalb, so aufrecht und still stehenzu bleiben wie es nur ging. Er wartete vor einer massiven Eichentür, tief inden unterirdischen Gewölben des Schlosses, auf ein Zeichen von Innen, eintreten zu dürfen. Er fragte sich missmutig was er wohl angestellt haben mochte, dass ihn seine Königin im tiefsten Winter auf einen Wachposten auf der Mauer stellte und gegen Ende der verhassten Schicht, unterkühlt und kraftlos noch unter die Erde wandern ließ. Dahörte Ruven ihre Stimme. Die schwächliche, aber durchdringende Stimme einer alten Frau. Er lehnte sich gegen die Tür, stolperte in den kleinen Raum und die Arme der Königin schlangen sich sogleich um seinen Hals, ihr Körper schmiegte sich an seinen. „Dubist kalt“, sagte sie, mit der rauen Stimme, die so gar nicht zu ihrem bildschönen, jugendlichen Äußeren passen wollte. Ruven wusste wohl, dass sie nicht nur seine Körpertemperatur meinte, auch seine Haltung war abweisend bei dieser Begrüßung, er erwiderte die Umarmung nicht. Die Königin löste sich von ihm, sah ihm kurz mit einem aufreizenden, herausfordernden Lächeln in die Augen und wandte sich dann ab um ans andere Ende des Raumes zu stolzieren und sich auf dem Himmelbett niederzulassen. Sie hatte sich an diesem Abend in hauchdünne, teilweise durchsichtige Stoffe gehüllt und an ihren Hand-und Fußgelenken klimperten unzählige Reife. Ihr Augenaufschlag, dachte Ruven, könnte umwerfend sein. Nein, berichtigte er sich,er ist umwerfend, aber ich weiß was diese Augen alles tatenlos mit angesehen haben. Er schluckte um sein Unbehagen zu verbergen. Er hatte seit jeher das ungute Gefühl, dass die Königin Gefühle dieser Art erspürte. Doch jetzt schien sie zu sehr damit beschäftigt zu sein, sich ihm zu präsentieren. Ruven hatte nicht die geringste Lust, sich zu ihr zu legen und tat so, als würde er ihre verlockenden Bewegungen und Gesten nicht bemerken, wobei ihm klar war, dass dieses Versteckspiel nicht lange zu seinen Gunsten weiter gehen würde. „Ruven.“ Seine Nackenhaare stellten sich auf. Sie sprach seinen Namen nicht wie einen Befehl aus, sich ihr zuzuwenden, es war auch keine Frage. Es interessierte sie nicht, warum er sie nicht beachtete. Es war eine Beschwörung. „Ruven.“ Erschluckte abermals. „Kommher zu mir.“ Erwusste, dass er sich fügen musste. Er senkte den Blick und ging zu ihr hinüber. Er setzte sich auf die Bettkante. Die Königin umarmte ihn abermals und liebkoste seinen eisigen Hals. Sie kletterte auf seinen Schoß und begann, die gefrorenen Verschlüsse seines Mantels zu öffnen. Ruven saß wie versteinert unter ihr und ließ es über sich ergehen. Er dachte an die letzten Monate, in denen sie zu beschäftigt war um Zeit für ihn zu opfern. Irgendwo an den nördlichen Grenzen soll es Unruhen unter den Bauern gegeben haben. Erhatte sich lange nicht mehr so frei gefühlt. Wenn er überlegte, noch nie in allden Jahren, die er jetzt schon am Hofe lebte. Die Königin machte sich an seiner Hose zu schaffen, seine Finger krallten sich in das samtene Betttuch. es schmerzte, die Kälte saß in den Gelenken. Er verfluchte die Winter und sehnte sich mehr denn je nach Hause zurück. Ruven vermisste die Hütte, in der er mit seinem Vater gelebt hatte, die Glaserei, die Werzeuge, der Schweiß, die Glut im Ofen aber vor allem das Leuchten des Glases... Als er mit seinen Gedanken wieder zurückkehrte, lag er mit nacktem Oberkörper auf dem Bett, sie war über ihm und von ihr ging eine befremdende, abstoßende Hitze aus. Völlig empfindungslos betrachtete er die Königin, wie sie mittlerweile keuchte und nach Luft rang. Ihr kastanienbraunes, glattes Haar fiel ihr offen über die Schultern und stach in seinen Augen. Ruven drehte sein Gesicht weg und sie beugte sich hinab um seinen Hals zu liebkosen. Ruven schloss die Augen. Ihm war schlecht. 07:57 - 13.06.2006
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